Wie der Kräuterlikör zu seinem Namen kam ...
So geschehen im schönen mittelalterlichen Marburg, wo der alte Nachtwächter mit der Laterne in der Hand zu dunkler Nacht die Runde durch die leeren Gassen machte. Und dabei - weil er vielleicht ein wenig allzutief in seine Kräuterlikör-Flasche geschaut hatte - wohl ein bißchen kräftiger als sonst ins Horn blies.
Da ging ein Fenster auf, und der Professor Ludewig (mit Rücksicht auf die Angehörigen wurde der Name geändert) - von des Hornes schrillem Ton aus seinen Studien espritvoller Hexameter geschreckt - fragte spöttisch artikulierend durch die Nacht:
"Höre, oh Wächter der Nacht, wo dräuen dem Feuer die Winde?"
Der Nachtwächter jedoch, als 'escht' Marburger Kind nicht auf den Mund gefallen und im wohlgesetzten Versmaß durchaus nicht ganz ungeübt, wußte schlagfertig zu parieren. Und so schallte es zurück mit rauher Stimme:
"Mann in dem Rocke des Schlafs, leck mich am ... und verschwinde!"
Worauf fortan beide gelegentlich zu später Stunde gemeinsam ein paar gute Tropfen Kräuterlikör zur Brust genommen haben sollen. So wurde in jener Nacht der Marburger Nachtwächter zu einem Symbol für den Marburger Bürgerwitz, dem mit jeder Flasche original "Marburger Nachtwächter" aufs Neue ein Denkmal gesetzt wird.
